Selbstständigkeit Wachstum – das klingt erstmal nach Businessplan und Excel-Tabellen. Aber in dieser Episode von Weiter im Chaos zeigt Gast Tobi Holkamp, ehemaliger Chefredakteur bei Transfermarkt und langjähriger Bild-Journalist, dass es vor allem um Überzeugung, Bauchgefühl und den Mut geht, den richtigen Abzweig zu nehmen. Kevin spricht mit ihm über anderthalb Jahre Selbstständigkeit, Projektauswahl nach Begeisterungsfaktor und warum Kaltakquise nicht der einzige Weg ist.

Was dich in dieser Episode erwartet

  • Warum Tobi trotz konkreter Jobangebote mit Top-Konditionen den Sprung in die Selbstständigkeit gewagt hat
  • Wie er Projekte ausschließlich nach Begeisterungsfaktor auswählt – und warum das funktioniert
  • Weshalb klassisches Netzwerken mit Visitenkarten nicht nötig ist, um an Aufträge zu kommen
  • Wie unbezahlte Projekte als Investition in die eigene Zukunft wirken können
  • Warum große Abstimmungsrunden die Kreativität töten – und was das mit Festanstellungen zu tun hat
  • Welche Podcast-Tipps Tobi Kevin mitgibt, um von 30 auf 300 Hörer zu wachsen
  • Warum Taten mehr zählen als Ankündigungen – und wie man nicht in die falsche Schublade landet

Wie findet man als Freelancer neue Aufträge ohne Kaltakquise?

Als Freelancer Aufträge zu gewinnen funktioniert laut Tobi Holkamp vor allem über echte Beziehungen, die über Jahre gewachsen sind. Wer authentisch mit Menschen umgeht, neugierig bleibt und gute Arbeit abliefert, wird erinnert – und angerufen. Das ist kein Plan, das passiert einfach.

Tobi beschreibt es so: Er hat nie aktiv ein Netzwerk aufgebaut im Sinne von Kongressen und Visitenkarten. Stattdessen hat er in über 20 Jahren Medienjobs – von der Bild-Sportredaktion über zehn Jahre Formel-1-Begleitung bis hin zur Chefredaktion bei Transfermarkt – einfach Menschen kennengelernt und Kontakt gehalten. Mit denen, mit denen er auch wirklich gerne Zeit verbringt. Und genau diese Menschen melden sich irgendwann mit Ideen oder Aufträgen.

Der entscheidende Satz aus der Episode: Erwarte nicht, dass die guten Themen von alleine zu dir kommen. Wenn du was willst, musst du den Finger heben. Nicht als Kaltakquise-Maschine, sondern als Mensch, der eine Idee hat und fragt, ob sie passt. Eine kurze Sprachnachricht, eine WhatsApp, ein Anruf – das reicht oft schon.

Wie wählt man als Selbstständiger die richtigen Projekte aus?

Das wichtigste Kriterium bei der Projektauswahl in der Selbstständigkeit ist laut Tobi der Begeisterungsfaktor. Wenn du selbst an ein Projekt glaubst, brennt das Feuer – und du kannst andere damit anstecken. Projekte, die nur der Bezahlung wegen angenommen werden, werden schnell zu austauschbarer, grauer Arbeit.

Dabei gibt es laut Tobi nicht nur die Bezahlung in Geld. Erfahrungen sammeln, Kontakte aufbauen und sogenannte Vorzeigeprojekte erstellen – all das ist ein geldwerter Vorteil für die Zukunft. Wer ein Projekt macht, auf das er wirklich stolz ist, zeigt es weiter. Und dann springen andere drauf an. Das Stichwort: Longtail. Was heute nichts einbringt, zahlt sich morgen aus.

Kevin teilt dazu seine eigene Erfahrung: Er hat Projekte ohne Honorar gemacht, weil er daran geglaubt hat – und wurde von diesen Kunden später weiterempfohlen. Tobi bestätigt: Das ist eine valide Form der Bezahlung. Aber man sollte immer im Blick haben, dass irgendwann der Teil wächst, der tatsächlich Geld einbringt. Es ist eine Mischung aus Invest und Aufbau.

Häufig gestellte Fragen

Braucht man ein großes Netzwerk, um als Freelancer erfolgreich zu sein?

Nicht im klassischen Sinne. Tobi Holkamp zeigt, dass ein gewachsenes Netzwerk aus echten Beziehungen entsteht – nicht aus strategischem Visitenkarten-Verteilen. Wer über Jahre verlässlich gute Arbeit macht und authentisch mit Menschen umgeht, bekommt Aufträge, ohne aktiv akquirieren zu müssen.

Welche Voraussetzungen braucht man für die Selbstständigkeit?

Es kommt auf den Bereich an. Im kreativen Umfeld hilft es, Menschen begeistern zu können und ein Gespür für Überzeugungsarbeit zu haben. Als Programmierer zählt vor allem fachliche Exzellenz. Wichtig in jedem Fall: wissen, was man will – und bereit sein, Risiken einzugehen.

Wie erhöht man die Reichweite eines Podcasts ohne großes Budget?

Laut Tobi endet die Arbeit nicht mit dem Upload. Die zweite Hälfte ist Distribution: Blogs und Medienpartner anfragen, die den Podcast featuren, reichweitenstarke Gäste einladen, die teilen, und gezielt dort auftreten, wo die Zielgruppe schon unterwegs ist. Gäste mit eigenem Publikum sind dabei ein einfacher erster Schritt.

Fazit und deine 3 Takeaways

Tobis Geschichte zeigt: Selbstständigkeit Wachstum passiert nicht durch den perfekten Businessplan, sondern durch Überzeugung, echte Beziehungen und den Mut, auch mal Nein zu sagen – selbst wenn das Angebot auf dem Tisch verlockend klingt. Wer das macht, was ihn wirklich antreibt, arbeitet besser, überzeugender und nachhaltiger.

  • Mach nur Projekte, hinter denen du wirklich stehst – Begeisterung ist ansteckend, Gleichgültigkeit auch.
  • Behandle unbezahlte Arbeit als Investment, nicht als Verlust – aber baue parallel immer den bezahlten Teil aus.
  • Hör auf anzukündigen, fang an zu machen – Taten sprechen lauter als Pläne, und die Schublade der Ankündigungsweltmeister ist voll.