Startup gründen neben einem Vollzeitjob – klingt nach einer guten Idee, ist aber verdammt schwieriger als gedacht. Jurek Barth, Head of IT beim Smart-Home-Startup Tado, weiß das aus eigener Erfahrung. In dieser Episode von Weiter im Chaos erzählt er Kevin ganz offen, wie er mit seinem Team von einer Foto-Sharing-App zu einer SaaS-Boilerplate-Idee gekommen ist, warum sie schon mehrfach die Reißleine gezogen haben – und was das alles mit ‚Schaff dich glücklich‘ zu tun hat.
Was dich in dieser Episode erwartet
- Wie Jurek und sein Mitgründer Benni mit einer Datenschutz-freundlichen Foto-Sharing-App gestartet sind – und warum sie das Projekt begraben haben
- Warum sie jetzt eine SaaS-Boilerplate bauen wollen, die Entwicklern den nervigsten Teil abnimmt: Auth, Payments und User Management
- Wie sie zu viert Entscheidungen treffen – komplett ohne feste Rollen und trotzdem strukturiert
- Was ein GitHub-Repository, eine WhatsApp-Gruppe und ein wöchentliches Meeting mit allem zu tun haben
- Warum Jurek lieber im Startup scheitert als eine langweilige Digitalagentur aufzumachen
- Was der Unterschied zwischen Angestellter und Unternehmer wirklich bedeutet – jenseits von Helikoptern und Millionen
- Welches Buch Jurek jedem empfiehlt, der Produkte und Teams besser verstehen will
Wie funktioniert Startup gründen neben dem Vollzeitjob wirklich?
Startup gründen neben dem Vollzeitjob funktioniert nur begrenzt. Jurek und sein Team haben festgestellt, dass zwei bis drei Stunden am Wochenende nicht reichen, um ein ernsthaftes Produkt zu bauen. Entweder man macht es zu 100 Prozent oder man lässt es – dieses Tröpfeln bringt nichts außer Frust und mittelmäßigen Ergebnissen.
Konkret: Jurek ist Head of IT bei Tado, seine Mitgründer sind teils Freelancer, teils ebenfalls angestellt – und alle haben Kinder. Das schränkt die verfügbare Zeit massiv ein. Mit ihrer ersten Idee, der Foto-App ‚Media‘, haben sie das auf die harte Tour gelernt. Wochenlang Wochenenden investiert, dann festgestellt: Payment-Integration allein frisst Monate. Das war der Moment, wo sie sagten: So geht das nicht.
Ihr aktueller Plan für die SaaS-Boilerplate ist deshalb anders aufgestellt. Sie suchen aktiv nach Venture Capital, haben ein Pitch Deck fertig und sind schon in Gesprächen mit Investoren. Die Idee: Wenn Geld da ist, können alle Vollzeit einsteigen. Bis dahin halten sie die Struktur schlank – wöchentliches Meeting, klare Aufgaben, kein Tool-Overload.
Was ist eine SaaS-Boilerplate und warum braucht man sie?
Eine SaaS-Boilerplate ist ein vorgefertigtes Grundgerüst für Software-as-a-Service-Produkte. Sie enthält alle Standardbausteine, die jede SaaS-App braucht – Nutzer-Anmeldung, Passwort-Reset, Subscription-Management, Payment-Integration – damit Gründer sich auf ihr eigentliches Produkt konzentrieren können, statt diese Basics immer neu zu bauen.
Jurek beschreibt den Pain Point aus eigener Erfahrung: Beim Bauen von ‚Media‘ haben er und sein Team gemerkt, wie viel Zeit allein in User Management, E-Mail-Versand und Stripe-Integration geflossen ist – Zeit, die eigentlich ins Kernprodukt gehört hätte. Das ist der Moment, wo die neue Idee geboren wurde: Diesen nervigen, aber notwendigen Teil einmal richtig gut bauen und anderen Gründern zur Verfügung stellen.
Das Ziel ist klar: Den Time-to-Market für neue SaaS-Startups deutlich verkürzen. Wer nicht sechs Wochen für Auth und Payments verbraten will, kauft einfach die fertige Basis – und legt direkt los mit dem, was sein Produkt wirklich einzigartig macht.
Häufig gestellte Fragen
Wie findet man die ersten Nutzer für ein Startup?
Laut Jurek ist das einer der unterschätztesten Punkte überhaupt. Selbst zehn zahlende Nutzer zu finden ist brutal schwer. Drei wären schon ein Erfolg. Der Consumer-Markt ist zusätzlich hart, weil der Maßstab immer Apple oder Google ist – da ist die Latte von Anfang an unrealistisch hoch.
Wann sollte man als Gründer die Reißleine ziehen?
Jurek sagt: Wenn du merkst, dass das Produkt nicht profitabel skalierbar ist und du gleichzeitig keinen echten Unterschied zum bestehenden Markt machen kannst, ist es Zeit. Bei ‚Media‘ war klar: Nischenprodukt gegen Google und Apple – das ist kein realistischer Fight ohne massives Funding.
Braucht man als Startup-Gründer sofort eine GmbH oder Firma?
Nein – zumindest nicht am Anfang. Jurek und sein Team haben bewusst auf eine offizielle Firmengründung verzichtet, solange kein Geld fließt. Zu viel Bürokratie für zu wenig Output. Erst wenn Venture Capital ins Spiel kommt oder echte Einnahmen da sind, macht eine formale Gründung Sinn.
Fazit und deine 3 Takeaways
Jurek gibt in dieser Episode einen seltenen, ehrlichen Einblick in die frühe Chaos-Phase einer Startup-Gründung – inklusive gescheiterter Ideen, Pivots und dem täglichen Spagat zwischen Vollzeitjob und Side Project. Kein Bullshit, keine Erfolgsstory – sondern echter Alltag.
- Einfach machen – aber realistisch: Starte mit dem kleinsten möglichen Prototypen und teste früh, ob echte Menschen dafür zahlen würden. Schöne Ideen ohne Monetarisierungspotenzial kosten nur Zeit.
- Weniger Tools, mehr Fokus: WhatsApp plus GitHub reichen für ein vierköpfiges Gründerteam vollkommen aus. Jedes weitere Tool lenkt ab – nutze was du kennst und halte es simpel.
- Klare Commitments statt lockere Absprachen: Aufgaben zwei Tage vor dem Meeting abliefern, absagen aktiv kommunizieren – kleine Verhaltensregeln schaffen Verlässlichkeit und echten Fortschritt im Team.



