Kommentator werden – aber wie, wenn es dafür keinen klassischen Ausbildungsweg gibt? In Episode 71 von Weiter im Chaos spricht Christian Arns mit Philipp Konrad, RTL-Redakteur und angehender Fußballkommentator, über pikante Anekdoten aus gemeinsamen Zeiten bei Sporttotal TV, den holprigen Einstieg in die Selbstständigkeit und die drei Säulen, auf denen jede Kommentatorenkarriere aufgebaut ist. Dieser Beitrag fasst die wichtigsten Insights zusammen.
Kommentator Werden: Was dich in dieser Episode erwartet
- Philipps Weg von Sporttotal TV zu RTL – wie eine Corona-bedingte Kündigung zum Sprungbrett wurde
- Das vertragliche Konstrukt „Fester Freier“ und warum es in der Medienbranche so beliebt ist
- Die drei Grundpfeiler des Kommentatorenberufs laut Marcel Reif, Christoph Fuß und Co.
- Stimmtraining beim Phonetiker und Logopäden – was der Unterschied ist und warum beides zählt
- Die App Commentaro als Übungsplattform für Nachwuchskommentatoren
- Wie man sich als Medienschaffender eine persönliche Marke aufbaut – und warum Philipps Instagram-Account noch Luft nach oben hat
- Warum Authentizität und Professionalität keine Gegensätze sind – und was Logan Paul damit zu tun hat
Wie wird man Fußballkommentator ohne klassische Ausbildung?
Es gibt keinen geregelten Ausbildungsweg zum Fußballkommentator. Laut erfahrenen Kommentatoren wie Marcel Reif oder Christoph Fuß besteht der Beruf aus drei Säulen: Sprache (breiter Wortschatz, eigene Ausdrucksweise), Stimme (ausgebildet durch Phonetiker und Logopäden) und Sachverstand (sportliches Fachwissen plus journalistische Recherchekompetenz).
Philipp beschreibt den Weg ins Kommentatorenfach bildlich als „durch Nebel durchs Moor wandern“ – man hofft, irgendwann mit dem Kopf gegen die richtige Tür zu stoßen. Was alle erfolgreichen Kommentatoren verbindet: Sie haben angefangen, es einfach zu tun. Täglich üben, Spiele kommentieren, Feedback sammeln. Sein Kollege Marcel Weyer etwa hat bei Sporttotal TV bereits über 50 Spiele live kommentiert – das ist ein Pfund, das kein Lebenslauf ersetzen kann.
Für Philipp selbst ist der Weg ein anderer: Über die RTL-Redaktion bei ntv sammelt er journalistisches Handwerk, baut intern Netzwerke auf und hält gleichzeitig die Augen offen für Live-Übertragungen im selben Haus. Kein gerader Weg – aber ein bewusster.
Was ist der Unterschied zwischen einem Phonetiker und einem Logopäden?
Ein Phonetiker analysiert deine Stimme mit geschultem Gehör und erkennt Unsauberkeiten in der Sprechweise. Er überweist dich anschließend an einen Logopäden, der mit konkreten Übungseinheiten – meist 10 Stunden pro Rezept – daran arbeitet, dass du deine natürliche, bauchgestützte Stimme findest und einsetzt.
Beide, Philipp und Christian, arbeiten mit Leo Reinhard („Leo Logo“) in der Kölner Südstadt. Das Setting klingt ungewöhnlich – Holzhocker, fetter Teppich, Tee – aber die Wirkung ist real. Philipp hat bereits zwei Rezepte à zehn Stunden hinter sich, Christian ebenfalls fast 20 Einheiten. Die Erkenntnis beider: Es geht nicht darum, eine andere Stimme zu entwickeln, sondern die eigene so zu nutzen, wie sie eigentlich funktioniert. Das klingt simpel, ist aber harte Arbeit.
Wie funktioniert die App Commentaro für Nachwuchskommentatoren?
Commentaro ist eine kleine App, über die kurze Fußballclips – von 20 Sekunden bis zu dreieinhalb Minuten – ausgespielt werden. Nutzer können diese Szenen direkt in der App kommentieren, die Aufnahme hochladen und von der Community bewerten lassen. Der angeschlossene Sender Sport Digital veröffentlicht regelmäßig eine Top-Ten-Liste der besten Kommentare.
Die Plattform ist noch überschaubar groß, aber genau das macht sie wertvoll für den Nachwuchs: Man kann üben, Feedback bekommen und sich zumindest in der Szene einen Namen machen. Philipp und Marcel Weyer sind beide dort aktiv. Für Sender wie Sky oder DAZN ist so ein Nachweis praktischer Erfahrung deutlich aussagekräftiger als jeder Bewerbungstext.
Häufig gestellte Fragen
Braucht man ein Journalismus-Studium, um Sportkommentator zu werden?
Nein, ein Studium ist kein Pflichtkriterium. Wichtiger sind nachgewiesene Praxiserfahrung, ein ausgebildetes Sprechvermögen und journalistischer Sachverstand. Viele Kommentatoren kommen über Praktika, Volontariate oder kleine Sender in den Beruf – entscheidend ist, dass man Referenzen vorweisen kann, also echte Kommentierungen.
Was verdient ein „Fester Freier“ in der Medienbranche?
Das Konstrukt „Fester Freier“ bedeutet: kein fester Vertrag, aber ein verlässliches Agreement über eine bestimmte Anzahl von Schichten pro Monat. Philipp arbeitet rund 10 bis 15 Schichten im Monat für RTL. Konkrete Gehaltszahlen nennt er nicht, aber er betont, dass das Modell ihm Flexibilität für eigene Projekte lässt.
Wie baut man als Kommentator eine persönliche Marke auf?
Zeigen, was man kann – das ist der Kern. Instagram, TikTok und Plattformen wie Commentaro sind geeignete Kanäle. Philipp empfiehlt, regelmäßig Kommentierungen zu posten, auch intern im Unternehmen sichtbar zu sein und Netzwerke kontinuierlich zu pflegen. Der eigene Stil, also die Balance aus Authentizität und Professionalität, ist dabei der entscheidende Differenzierungsfaktor.
Fazit und deine 3 Takeaways
Kommentator werden ist kein linearer Karrierepfad – es ist ein tägliches Training auf drei Ebenen gleichzeitig. Philipps Geschichte zeigt, dass eine Kündigung kein Ende sein muss, sondern der Anfang eines bewussteren Weges. Wer Passion hat, kontinuierlich übt und sich eine Marke aufbaut, kommt irgendwann an die richtige Tür.
- Trainiere täglich alle drei Säulen: Sprache (lesen, Wortschatz ausbauen), Stimme (Logopäde, Stimmübungen) und Sachverstand (journalistische Tiefe, Sportkenntnis).
- Mach es sichtbar: Lade Kommentierungen hoch, nutze Plattformen wie Commentaro und poste regelmäßig auf Social Media – auch wenn es unbequem ist.
- Fang an, bevor du fertig bist: Marcel Weyers 50+ Kommentierungen bei Sporttotal TV sind mehr wert als der perfekte Lebenslauf. On-Air-Zeit ist nicht ersetzbar.
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