Verhandeln als Freelancer ist eine der unangenehmsten und gleichzeitig wichtigsten Fähigkeiten, die du dir aufbauen kannst. In Episode 94 von Weiter im Chaos teilen Christian und Kevin ganz offen ihre eigenen Erfahrungen – ohne Expertentum zu beanspruchen, aber mit jeder Menge echten Insights aus echten Gesprächen. Wenn du selbstständig bist oder es werden willst, bekommst du hier konkrete Impulse, die du direkt anwenden kannst.
Was dich in dieser Episode erwartet
- Wie Christian einen Neukunden über Instagram akquiriert hat und was dabei passiert ist
- Warum klickbasierte Vergütungsmodelle für Freelancer riskant sein können
- Welche Verhandlungstaktiken manche Kunden bewusst einsetzen – und wie du darauf reagierst
- Warum eine Pilotphase mit Tagessatz oft der smarteste Einstieg in eine Zusammenarbeit ist
- Wie du deinen eigenen Wert als Kreativer bezifferst – und warum das so schwerfällt
- Was KPIs und klare Erfolgskriterien mit deiner Verhandlungsposition zu tun haben
- Warum Kommunikation in Verhandlungen oft zu kurz kommt – und wie du das änderst
Wie verhandelt man als Freelancer seinen Tagessatz – und wann lohnt sich ein klickbasiertes Modell?
Als Freelancer deinen Tagessatz zu verhandeln bedeutet: Klar kommunizieren, was du lieferst, wie lange du brauchst und was das wert ist. Ein klickbasiertes Modell lohnt sich nur dann, wenn du die relevanten Parameter kennst – also Zielgruppe, bisherige Performance und klare KPIs. Ohne diese Basis verhandelst du im Dunkeln.
Genau das erlebt Christian in dieser Episode. Er hat einen potenziellen Kunden besucht, der Content für YouTube, Instagram und TikTok produzieren lassen möchte – und zwar langfristig, mehrmals die Woche. Der Kunde schlägt ein Modell vor, bei dem Christian teilweise pro Klick bezahlt werden soll. Klingt verlockend, bringt aber ein Problem mit sich: Wie viel Einfluss hat Christian wirklich auf die Reichweite? Er filmt und schneidet, aber wie der Content ausgespielt wird, liegt beim Kunden.
Kevin bringt es auf den Punkt: Solange nicht klar ist, was Erfolg bedeutet – Views, Engagement, Produktverkäufe oder Conversion Rate – reden beide Seiten aneinander vorbei. Seine Empfehlung: erst Informationen sammeln, dann entscheiden. Was haben die letzten Videos durchschnittlich an Aufrufen gemacht? Welche Inhalte performen, welche nicht? Mit diesen Daten kann Christian nicht nur besser verhandeln, sondern auch zeigen, dass er sein Handwerk versteht.
Was tun, wenn ein Kunde einen viel zu niedrigen Preis nennt – ist das eine Taktik?
Ja, in vielen Fällen ist ein sehr niedriger Einstiegspreis eine bewusste Verhandlungstaktik. Der Kunde testet damit, wie du reagierst – ob du einknickst oder standhaft bleibst. Das ist kein Zeichen von bösem Willen, sondern Teil des Spiels. Deine Reaktion zeigt, wie sehr du deinen eigenen Wert kennst.
Christian beschreibt genau diese Situation: Der potenzielle Kunde hat mit einer Zahl angefangen, die deutlich unter dem lag, was Christian für realistisch hält. Sein Kollege hat ihm das Bild gegeben: Es ist wie beim Flirten – die andere Seite testet erst mal, was du drauf hast. Wenn du sofort nachgibst, verlierst du Verhandlungsmacht. Wenn du klar und ruhig sagst, was du wert bist, baut das Vertrauen auf.
Kevin kennt das aus seiner eigenen Verhandlungserfahrung im Account Management. Er beschreibt eine Situation, in der er drei Preisoptionen genannt hat – niedrig, mittel, hoch – und der Kunde natürlich die niedrigste wollte, aber trotzdem die gleiche Qualität erwartet hat. Seine Antwort: klares Nein, gefolgt von einer offenen Erklärung, warum das nicht funktioniert. Und das Interessante: Nach einem Jahr kam genau dieser Kunde wieder zurück.
Häufig gestellte Fragen
Wie finde ich als Freelancer meinen Tagessatz heraus?
Dein Tagessatz ergibt sich aus deinen monatlichen Kosten, dem gewünschten Gewinn und der realistisch abrechenbaren Tagesanzahl pro Monat. Orientiere dich zusätzlich an Marktpreisen für deine Branche. Wichtig: Berücksichtige auch nicht abrechenbare Zeiten wie Akquise, Buchhaltung und Verhandlung.
Wann macht ein klickbasiertes Vergütungsmodell für Content Creator Sinn?
Ein klickbasiertes Modell macht Sinn, wenn du die bisherige Performance des Kanals kennst, klare KPIs vereinbart sind und du Einfluss auf die Distribution hast. Ohne diese Parameter trägst du das volle Risiko – und das sollte sich im Honorar widerspiegeln oder durch einen fixen Sockelbetrag abgesichert sein.
Wie gehe ich vor, wenn ein Kunde meinen Preis drücken will?
Bleib ruhig und erkläre klar, was in deinem Preis steckt. Wenn du Abstriche beim Preis machst, kommuniziere auch, welche Leistungen dafür wegfallen. Eine Pilotphase mit Tagessatz ist oft ein guter Kompromiss – so können beide Seiten Vertrauen aufbauen, bevor ein langfristiges Modell festgelegt wird.
Fazit und deine 3 Takeaways
Verhandeln lernt man nicht aus Büchern, sondern durch echte Gespräche – mit allen Fehlern, Unsicherheiten und Lernmomenten. Christian und Kevin machen das in dieser Episode vor: offen, ehrlich und ohne so zu tun, als hätten sie alle Antworten. Genau das macht die Folge so wertvoll für alle, die selbstständig sind oder es werden wollen.
- Kläre zuerst die KPIs: Bevor du über Geld redest, frag deinen Kunden, was Erfolg für ihn bedeutet. Views? Abschlüsse? Engagement? Ohne gemeinsame Messgröße verhandelst du ins Leere.
- Starte mit einer Pilotphase: Wenn ein langfristiges Modell unklar ist, schlage ein oder zwei Testaufträge zum Tagessatz vor. So schaffen beide Seiten eine Basis für faire Verhandlungen auf Datenbasis.
- Kenn deinen Wert – und sag ihn laut: Wenn ein Kunde einen zu niedrigen Preis nennt, ist das oft ein Test. Reagiere ruhig, klar und mit Fakten – und weiche nicht sofort zurück. Wer seinen Wert kennt, muss ihn nicht verteidigen, sondern nur erklären.



